Bremen
 

In Bremen lebe ich schon mehr als 30 Jahre. Die Stadt ist aufgrund ihrer Überschaubarkeit, ihres liberalen Klimas, ihres vielfältigen Kulturangebots ein sehr lebenswerter Ort, der sich gegenwärtig stark verändert. Vor allem das neue Hafengebiet entwickelt sich interessant, aber es gibt auch viele schöne grüne Ecken und die alten Bremer Häuser sind sehenswert. Allerdings gibt es in jüngster Zeit auch einen Trend zum "architektonischen Einheitsbrei".
Hier kann man sich über die Entwicklung infomieren


Projekt: Der Bahnhofsvorplatz Die neue Planung für den Bahnhofsvorplatz sieht nun einen weiteren Dudler-Komplex in schon vorhandener Manier.Auch wenn mittlerweile die Arbeiten aufgenommern wurden und einige Pannen passiert sind, es geht immer moch langsam voran, und die Eiheitsarchtektur breitet sich aus.

Quadratisch, praktisch gut?
So erfreulich die Entwicklung in Bremen ist und hier viele interessante Neubaugebiete entstehen, so ist doch nicht zu übersehen, dass sich eine gewisse architektonische Uniformität ausbreitet.



Ausgezeichnete Gebäude!?
Jährlich vergibt die Architektenkammer eine Auszeichnung an ihrer Meinung nach gelungene Bauten - diese mögen für sich betrachtet auch recht originell oder ansprechend sein, wie sie dann aber in der Straße selbst aussehen, wird häufig nicht bedacht oder thematisiert. Hier einige Beispiele:
Die Lagerhalle von Beck's in der Neustadt:


und hier unschöne Effekte der Solitäre: Unger-Bau am Hillmannplatz, Seitenstraße bei Radio Bremen und Gang im neuen Eckgebäude am Altenwall


Der Architekturzoo auf dem Stadtwerder

Mitten in der Innenstadt ist ein neues Wohngebiet in einem Umfeld entstanden, das überwiegend von zweistöckigen Häusern und Schrebergärten geprägt ist. Hatte man anfänglich noch gehofft, die Entwürfe bekannter Architekten fügten sich zu einem ansprechende Ganzen zusammen, sieht man nun immer deutlicher, dass das vorrangige Interesse wohl offenbar darin bestand, möglichst viele teure Wohnungen auf möglichst engem Raum (und wenig ansprechender Grundrissgestaltung) zu bauen und zu verkaufen. Abgerückt ist man z.B. von der kleinteiligen Aufteilung im ersten Feld, mittig wurden ebenfalls zwei "Klötze" platziert.
Entstanden ist ein Wohngebiet, das kein Ganzes bildet, sondern eine Ansammlung von mehr oder minder ansprechenden Bauten darstellt, die mit sehr geringen Zwischenräumen und ohne ansprechende Grüngestaltung auf die Fläche gestellt wurden. Nun steht zu befürchten,dass das letzte Feld von der Brebau auch noch "verklotzt" wird. Es fehlt jegliche Infrastruktur, es zeichnet sich immer noch nicht ab, was eigentlich mit der Kommode passiert und es gibt nur eine enge Zufahrtsstraße und mittlerweile vollgeparkte Straßen.
So sah die Werbung aus: Häuser umgeben von Grün - weit und breit kein anderes Gebäude zu sehen!



und so die Realität:



Besonders hässlich auch die "Umgestaltung" der Einzelhäuser - die Bewohner haben wohl aufgrund fehlender Abstellmöglichkeiten Anbauten angefügt, die nicht nur die Häuser ihrer ursprünglichen Form berauben, sondern auch die Gesamtgestaltung des Areals negativ beinflussen - hinzu kommen auch noch von den Bewohnern aufgestellte Trennwände, damit die Nachbarn die "Winzgärten" einsehen oder in die Fenster gucken können.


Das es auch anders geht, zeigt das neue Viertel am Dammacker: vielfältige Architektur, ausreichend Grün und kleine Plätze.
Planungen für die Innenstadt

Zwanzig Jahre habe ich in der Innenstadt gearbeitet - aber selten bin ich shoppen gegangen. Keine Zeit dachte ich damals. Jetzt habe ich Zeit, aber immer wenn ich in die Stadt gehe komme ich frustriert zurück. Das Angebot ist eintönig: die Söge- und Obernstraße werden dominiert von Kettenläden: zweimal Hennes & Mauritz, zwei Großkaufhäuser mit nicht sehr weit voneinander abweichendem Angebot, weitere Kettenländen, deren Angebt mittlerweile in jeder Stadt zu finden sind. In den zahlreichen Schuhgeschäften findet sich mehr oder minder das gleiche Angebot. Die individuellen Buch- und Schmuckläden sind Kettengeschäften gewichen. Es gibt nur einige wenige kleinere Läden der gehobenen Preiskategorie. Ein ansprechendes Design von Geschäften, das die Kauflust wecken könnte, gibt es kaum.
Auch im gastronomischen Angebot dominieren die Ketten: Nordsee, Alex, Delano, Vapiano - nur einige individuelle Cafes. Betrachtet man das Angebot der zahlreichen Einkaufscentren (Weserpark, Waterfront, Roland-Center ,Outlet-Center Stuhr) dann muss man sich nicht wundern, wenn immer weniger Menschen in der Innenstadt einkaufen - alles was in der Innenstadt zu angeboten wird, findet sich mehr oder weniger in den Centren. So konkurriert die Waterfront mit der Innenstadt im Textilangebot, das Rolandcenter und der WeserPark bieten ein breites Angebot für verschiedene Geschmacksrichtungen und Geldbeutel zudem eine ansprechende Gastronomie - beide Zentren sind Stadtteiltreffpunkte. Im Outletstore in Stuhr gibt es ein breites Angebot von Markenartikeln zu günstigen Preisen - die fehlende Gastronomie ist in Planung.
Die Obernstrasse, die durch die Straßenbahn im Einkaufswert erheblich beeinträchtigt wird, ist von Billigläden gesäumt, das Faulenquartier wird durch die breite Strasse abgetrennt und das fehlende Shop-Angebot auf der anderen Seite macht es (trotz eines Aufwärtstrend durch den Ausbau der VHS und Radio Bremens) nicht eben attraktiver - das Brillissimo ist augrund seiner eher kleinen Fensterfront nun auch nicht gerade ansprechend.
Nun gibt es Pläne für ein weiteres Einkaufszentrum in der Innenstadt: Eine individuelle Note soll es erhalten - die auch dringend nötig wäre. Aber sieht man sich einmal die Investoren an, bleibt zu befürchten, dass wiederum nur eine neue Ansammlung von Kettenläden mit dem Angebot wie überall entstehen wird.
Genannt wird das Unternehmen Multi Development, das das Forum Duisburg gebaut hat - in der Shopliste des Forums an findet man alle Läden, die es in Bremen in mehrfacher Anzahl gibt - individuelle Läden: Fehlanzeige. Das selbe bei den Harburg-Arcaden und im Alexa Center in Berlin. In den Shoplisten dieser Zentren findet sich neben einigen Ärzten, Restaurants und Blumenläden kaum ein Geschäft, das nicht zu einer Kette gehört. Der Anspruch, ein individuelles Angebot schaffen zu wollen, kann mit diesen Investoren nicht verwirklicht werden - die Shop-Designs wie überall, das Angebot auch nicht anders als in Hamburg oder Duisburg.
Für das neue Zentrum wird außerdem von einem Marktplatz gesprochen - was soll das? Bremen hat einen sehr schönen Wochen- und Blumenmarkt! Warum noch ein Marktplatz? Lebensmittel gibt es mittlerweile im Faulenquartier, dort gibt es auch den Bauernmarkt - dieses Quartier sollte weiterentwickelt werden, weil dort viele Menschen wohnen und nicht ein erneuter (erfolgloser Versuch) eines Marktplatzes gestartet werden.
In unmittelbarer Nachbarschaft bietet Oldenburg mit seiner Mischung aus großen und kleinen Läden und Boutiquen, attraktiven gastronomischen Angeboten eine echte Alternative zur öden Innenstadt.
Vielleicht auch sollten die Planer einmal nach Antwerpen fahren um sich anzusehen, wie man ein individuelles Angebot gestalten kann: dort gibt es höchst originelle Läden und Restaurants, eingebettet in die historische Altstadt. Bildbeispiele ansprechender Läden und Straßengestaltung kann man im Internet genügend finden:

http://http://www.virtualtourist.com/travel/Europe/Belgium/Provincie_Antwerpen/Antwerp-358974/Shopping-Antwerp-TG-C-1.html

Hier einige Bilder aus verschiedenen Teilen Bremens:

der Hafen




Drei Bilder aus dem schönen Rhododendronpark



hier gibt es nähere Informationen zum Park

Hier Fotos vom Werdersee. Diese wunderschöne Ansicht bleibt hoffentlich noch erhalten, nachdem sowohl die neuen Bewohner des Viertels als auch die in der Bürgerintitiative zusammengeschlossnen Menschen die Abholzung von Teilen der Bäume verhindert haben und der Bau einer weiteren Fußgängerbrücke aus finanziellen Gründen nicht realisiert werden kann.


In Bremen ist nicht nur der Schnoor sehenswert, vor allem auch die Wohnviertel mit ihren schön renovierten Häusern, z.B rund um die Verdener Strasse, das Flüsse-Viertel in der Neustadt, das Milchviertel im Osteror.