Antifaschismus
 

Mein Engagement gegen den Antisemitismus umfasst sowohl die Auseinandersetzung mit allen gegenwärtigen Formen des Antisemitismus wie auch die historische Aufarbeitung mit dem Faschimus in Europa in der Vergagenenheit, insbesondere mit dem Erinnerung an den millionefachen Mord von Juden. Deshalb engagiere ich mich in Bremen auch in der Initiative Stolpersteine

Hier zwei Berichte, über Verfolgte, die in meiner Straße lebten:
Jacob (Jack) Schweitzer, geb. 16.7.1899, gest. 4.5.1945 Buchenwald

Jacob Schweitzer wanderte schon vor der Machtergreifung der Nazis in die USA aus, kam aber alljährlich nach Deutschland. Er war von Beruf Kaufmann, Küchenchef und Schiffskoch. Er war in den USA verheiratet, lebte aber von seiner Frau getrennt. 1935 lernte er die Bremerin Agnes Kracke kennen und verlobte sich mit ihr. Er war in Bremen vier Monate gemeldet, wohnte dann aber noch einmal illegal bei Agnes Kracke. 1937 ging er nach Frankreich und dann nach Belgien. Agnes Kracke folgte ihm, da sie schwanger war. In Antwerpen kam am 26.11.1937 ihre Tochter Monika zur Welt. Jacob Schweitzer erkannte die Vaterschaft an und die Tochter erhielt seinen Namen. Jacob Schweitzer wurde mehrmals von der Polizei inhaftiert, weil er sich in Belgien illegal aufhielt, Bei Kriegsausbruch jedoch kam in ein Lager und der Kontakt zu Agnes Kracke riss ab. Er wurde in das Lager Gurs gebracht und war dort vom 3.3.41 - 10.4.42, dann wurde er in das Lager Recebedon Portet an der Garonne gebracht und am 5.6.1943 bis zum August 1943 in das Arbeitslager Jaschiwitz bei Auschwitz. Danach wurde er in das KZ Buchenwald gebracht, wo er am 4.3.1945 starb. Agnes Kracke floh nach Frankreich, wo sie wegen Spionageverdacht verhaftet wurde, über Holland schließlich gelang ihr die Rückkehr nach Bremen, wo sie denunziert wurde.
Quellen: StaHB 4,54 E 2154


Siegfried und Gisela Polak, geb. Kornblum,
Jan und Lily Kornblum

Nur zwei Häuser weiter von mir lebten einst Gisela Kornblum mit ihrer Schwester Lily,in dem Haus,das ihrem Vater Jan Kornblum gekauft hatte. Am 29.3.1940 heiratete Gisela Kornblum den Viehhändler Siegfried Polak.
Bis zu seiner Eheschließung hatte Siegfried Polak bei seiner Mutter gelebt, zog dann in die Yorckstr. Der Boykott jüdischer Geschäfte nach Machtantritt der Nationalsozialisten führte ab 1933 zu erheblichen geschäftlichen Einbußen. Am 8.8.1938 schließlich wurde Siegfried Polak die Gewerbeerlaubnis entzogen, so dass er das Geschäft schließen musste. Sie mussten in das so genannte "Judenhaus" in der Elsasser Str.114 ziehen, wo sie bis zu Deportation nach Minsk am 18. November 1942 lebten. Beide kamen im Juli 1942 um.
Giselas Schwester Lily heiratete 1933 Georg Theodor Machon. Sie verübte am 16.6.1943 Selbstmord. Ihr Mann gab nach dem Krieg an, Lily habe als Jüdin die Verfolgungen nicht mehr ertragen, und sei deshalb in den Tod gegangen.
Der Vater der beiden Frauen, Jan Kornblum, wurde bis 1938 nach eigenen Angaben wenig von den Nazis belästigt. In der Pogromnacht 1938 wurde er wie alle jüdischen Männer verhaftet und in das KZ Sachsenhausen gebracht. Aufgrund seines Alters wurde er nach ca. 3 Wochen entlassen und musste sich täglich bei der Gestapo melden. Er wanderte am 20.2.1939 nach Shanghai aus. Von der Berliner Betreuungsstelle für Juden sowie von seinem Schwiegersohn Georg Machon hatte er einen Zuschuss zu den Kosten der Schiffspassage nach Shanghai erhalten. Da die Juden im von Japanern besetzten Shanghai mit Beginn des Krieges ghettoisiert wurden, mussten sie unter unsäglichen Bedingungen ihr Leben nur mit der Hilfe jüdischer Hilfsorganisationen fristen. Jan Kornblum verglich das Leben im Ghetto in Shanghai mit dem Leben in einem KZ. Im August 1947 kam Jan Kornblum nach Bremen zurück, weil hier noch "sein" Haus vorhanden war. Dort wurde er mit dem Tod seiner Töchter konfrontiert Er starb am 13.10.1952 in Bremen
Quellen:
StAHB 4,54-E 10898 Adele Polak, geb. Goldschmidt
StAHB 4,54-E 11447 Siegfried Polak
StAHB 4,54 E 1201 Jan (Johann) Kornblum



Zum Gedenken danden Aufstand im Warschauer Ghetto:
Widerstand der Frauen im Warschauer Ghetto


                   
Aufruf der Nazis an die jüdische Bevölkerung,     die Ruinen des Ghettos 1945

Kaum waren die deutschen Truppen 1939 in Warschau einmarschiert, setzten sie die schon im Reich angewandten Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung mit besonderer Schärfe um. Galt schon die Bevölkerung des eroberten Landes Volk als minderwertig, so traf dies um so mehr für die Juden Polens zu.
Obwohl nur wenige Juden der deutschen Tötungsmaschinerie entkommen konnten, wissen wir jedoch nicht nur aus den Erzählungen und Erinnerungen der Überlebenden über diese Zeit, sondern auch aus zahlreichen Tagebüchern, Gedichten, Briefen und Dokumenten, wie diese Ausrottungspolitik in ihren einzelnen Schritten umgesetzt wurde aber auch, wie die Bedrohten versuchten, trotz der alltäglichen Entrechtung und Schikane ihre Würde zu bewahren. Hier finden Sie einen längeren Beitrag zum Widerstand von Frauen im Warschauer Ghetto, den ich aufgrund der Auswertungen der verschiedenen Tagebücher geschrieben habe. Er enthält ausführlichen Quellenangaben der verwendeten Dokumente. Außerdem erhält er Biografien der Ghettokämpferinnen, die ich ausfindig machen konnte. Das sind: Tosia Altmann, Dvora Baran, Franja Beatus, Sarah - Krysia Biderman,Guta Blones, Pola Elster, Chawa Folman, Regina Fuden (Lilit, Mira Fuchrer, Lea Korn, Luba Zylberg verh.Gawisar, Mascha Glajtman verh. Putermilch, Dorka Goldkorn, Mira Izbicki, Emily Landau (Margalit Zivia Lubetkin,verh. Zuckerman(Cukerman), Lea Koziebrodzka, Bronka Manulak, Feigele Peltel - Vladka Meed, Chana Plotnicka,Frumka Plotnicka, Njuta Tejtelbojm Leja Szyfman, Miriam Szyfman, Batya(Basia) Temkin - Berman


Polnisches Zentrum für der Holocaust-Recherche, in englisch mit einer Datenbank, Zeitleiste über die Ereignisse eine polnische Seite mit vielen Bildern, und eine Seite mit vielen Bildern und Informationen von Andrew (Andrzej) M. Kobos, sowie eine Seite des des Museums der Ghetto-Kämpfer Unter diesem Link finden sie eine Linkliste zu vielen Themen des Faschismus - leider fast alle in Englisch) Eine deutsche Seite mit Büchern über das Warschauer Ghetto: hier

Gedenktafel auf dem Friedhof Engerhafe

Ein interessantes Buch der Bremer Autorin: Imke Müller Hellmann

Verschwunden in Deutschland Lebensgeschichten von KZ-Opfern -Auf Spurensuche durch Europa

Die aus Ostfriesland stammende Autorin ist den Spuren von elf von den Nazis ermordeten Männern, die auf dem Friedhof Engerhafe begraben sind (insgesamt sind dort 188 Gräber)nachgegangen. Die Männer sollten in dem Außenlager Neuengamme den Friesenwall bauen - sie starben an der Kälte und dem Hunger und an den Misshandlungen des Wachpersonals. Imke Müller-Hellmann machte deren Familien in den Niederlanden, Dänemark, Spanien, Lettland, Polen, Slowenien und Frankreich ausfindig und besuchte sie. Sie musste dabei Vorbehalte gegen "eine Deutsche" überwinden und vorsichtig das Vertrauen gewinnen. Was sie erfahren hat beschreibt sie in einem sehr sachlichen Stil, der aber aufgrund der einfühlsamen Beschreibung beim Lesen unter die Haut geht. Am Beispiel der Lebensgeschichten werden nicht nur die verschiedenen Ereignisse des Krieges in besuchten Ländern deutlich, auch über die verschiedenen Facetten des Widerstands gegen die Nazis aber auch über Kollaborateure erfährt man einiges - und auch über die ungeheure Brutalität, mit der der Widerstand bekämpft wurde. Die Autorin versteht es, durch ihren Stil die Leser zu faszinieren, so dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legt, bevor man es ganz gelesen hat. Sie hat den vor ihr vorgestellten Männern ein würdiges Denkmal gesetzt.
Hamburg 2014, Osburg Murmann Verlag



Ursula Krechel: Shanghai fern von wo - vom Überleben jüdischer Flüchtlinge in der Nazizeit
Ein wichtiges Kapitel der Verfolgung in einem beeindruckenden Roman
Die Verfolgung der Juden im Nationalsozialismus zwang viele Menschen, jede sich nur bietende Gelegenheit zu nutzen, dem Land der Verfolger zu entkommen. Während es einigen gelang Visen und Passagen in die USA, Australien, Lateinamerika zu erlangen, mussten andere den letzten Ausweg wählen. Und das war Shanghai, weil sie dort kein Visum benötigten. Mehr als 17.000 deutschsprachige Juden mussten diese Möglichkeit nutzen und reisten mit 10 Mark und der letzten Habe in der Tasche in das für sie völlig fremde Land, das zudem von den Japanern besetzt war - Verbündete der Nazis. Es waren vor allem Deutsche und Österreicher, die nach der "Heimholung" Österreichs von einem Tag auf den anderen der Verfolgung ausgesetzt waren. Sie verließen mit großen Passagierschiffen, für deren Passage sie oft mühsam das Geld beschaffen mussten von Oslo, Danzig, Rotterdam, Antwerpen, Liverpool, London, Marseille, Genua, Neapel, Triest, Venedig und auch von Hamburg und Bremen.
Weitere Informationen unter:
Darstellung des Situation in Shanghai Organisation Überlebender mit Berichten und Bildern
und hier die Seite der Jewish Communities Of China Eine Reihe jüdischer Bürger kehrten 1947 nach Bremen zurück, wo sie nicht eben freundlich aufgenommen wurden. Die Historikerin Ingrid Brandt berichtet auf Einladung der Geschichtswerkstatt Gröpelingen e.V. über das bisher unbeachtete Schicksal dieser 106 Menschen.


Marion Kaplan: der Mut zum Überleben Jüdische Frauen und ihre Familien in Nazideutschland
Das Buch schildert, wie angesichts des sich schrittweise immer mehr verengenden Lebensraumes aufgrund der zahlosen Verordnungen der Nazis, Frauen und versuchten, einen "normalen" Alltag aufrecht zu erhalten. es beshreibt die Situation in sog. "Mischehen" und das Alltagsleben jüdischer Kinder vom Novemberpogrom bis zur Deportation. Es schildert auch das Leben im Untergrund von Irma Simon in Berlin,Ruth Abrahamund der Familie Erna Becker-Kohen aus Berlin. Ich hätte mir gewünscht, daß das Buch den Originaltitel "zwischen Würde und Hoffnungslosigkeit" behalten hätte, den er beschreibt prägnant die Situation der Betroffenen. Angefügt ist ein umfangreiches Anmerkungs- und Literaturverweis.
Berlin 2001, Aufbau Verlag
Erna-Becker Cohen, das Center for Jewisch History bewahrt ihr Tagebuch auf
(noch antiquarisch zu erhalten)Wer die Wege kennt.Erna Becker-Kohen von Karl Schillinger,1980

"Was verstehen wir Frauen auch schon von Politik"
Entnazifizierung ganz normaler Frauen in Bremen (1945-1952)
Herausgegeben von Eva Schöck-Quinteros und den Studierenden des Projektes "Aus den Akten auf die Bühne"

Das Buch geht anhand 13 konkreter Fälle aus den Gerichtsakten der Geschichte verschiedener Frauen nach, die auf eine oder andere Art mit den Nazis zusammenarbeiteten und andere Denunzierten.

Bei der Lektüre der einzelnen Fälle wird deutlich, wie vielfältig die Motive waren: während einige überzeugte Mitglieder oder Anhängerinnen der faschistischen Partei und Regierung waren, wurden andere durch Druck auf sie aufgrund eigener Verfehlungen oder gegnerischer politischer Aktivitäten ausgeübt wurde, andere durch ihre unhinterfragte berufliche Tätigkeit zu Belasteten.

Bei Kriegsende hatten sie sich vor den Entnazifizierungsausschüssen, deren Arbeitsweise ebenfalls ausführliche dargestellt wird, zu verantworten. Dabei zeigte sich, dass viele der Frauen zu ihrer Entlastung auf Entschuldigungen zurückgriffen, die man vermeintlich Frauen eher glauben würde. Dies waren z.B. solche Aussagen wie die, man hätte von Politik nichts verstanden oder aber man sei im Rahmen der nationalsozialistischen Organisationen nur fürsorglich tätig gewesen. Die Frauen nutzten bewusst Rollenzuschreibungen, um sich zu entlasten.

Wie schwierig die Einstufungen als "Haupttäterinnen, Belastete oder Mitläuferinnen" war ist am Beispiel der Sekretärin Hilde Schöttker zu lesen, die in den Kriegsjahren als Sekretärin bei der Gestapo arbeitete und auch Verhöre tippte. Erschreckend ist der Fall der Naturwissenschaftlerin Dr. Karin Magnussen, die im Bereich der Anomalie von Augen forschte und dazu von Dr. Mengele überstellte Augen unhinterfragt verwendete und sich auch in ihrem Verfahren keiner Schuld bewusst war, sogar noch in den 50er Jahren noch rassistische Äußerungen verfasste al sie bereits im Bremer Schuldienst beschäftigt war. Ihre Haltung ist umso unverständlicher, da sie als lesbische Frau besonderer Diskriminierung ausgesetzt waren. Das Buch vermittelt auch einen anschaulichen Eindruck, wie schwierig auch die Entnazifizierungsverfahren sich gestalteten, denn es mussten nicht nur zahlreiche Zeuginnen und Zeugen gehört werden, sondern auch zahlreiche Aktenberge durchforscht werden, um Tatbestände aufklären zu können. Eine sehr interessante Lektüre, die deutlich macht, wie schwierig es ist, zu entschieden, wer bloß gedankenlos war oder aber bewusst Schuld auf sich geladen hat.

Ergänzt wird der Band durch die chronologische Darstellung des Entnazifizierungsverfahrens, die Gesetze der Alliierten und einer Betrachtung zur Täterforschung.


Willi Müller: Briefe aus Dachau


Vor etwa 30 Jahren habe ich von Alma Müller Briefe ihres Sohne aus erhalten. Ein Teil davon wurde in einer Broschüre veröffentlicht, die Sie hier herunterladen können. Willi (Wilhlem Ernst) Müller war von 1912 - 1919 Seemann. Er war im Transporterbeiteverband und im Deutschen Seemannsbund organisiert und trat 1929 in die KPD ein. 1933 wurde er als Kandidat für die Bürgerschaft aufgestellt und musste von Januar an in der Illegalität leben. Er arbeitete bei der Herstellung der illegalen Zeitung "Der Scheinwerfer" und anderen Publikationen mit. Am 12.Juli 1933 wurde er verhaftet und im sog. Gösselhaus, der ehemaligen Zentrale der KPD, die von den Nazis enteignet worden war, schwer misshandelt. Im Juni 1934 wurden er und weitere 88 Kommunisten zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und anschließend wurde er in das KZ Sachsenhausen eingeliefert, aus dem er im März 1938 entlassen wurde. Nur fünf Monate später wurde er wegen Verdachts auf illegaler politischer Arbeit für die KPD erneut verhaftet. Er versuchte aus dem Gefängnis zu flüchten, es misslang und er wurde im Mai 1939 in die Strafkompanie Dachau eingeliefert. Da in dieser Zeit sein Prozess in München Stadelheim wegen des Ausbruchsversuch stattfand, konnte er überleben, denn von den 1.500 Häftlingen der Strafkompanie überlebten nur 300. Insgesamt verbrachte er drei Jahre im KZ-Dachau.
Willi Müller, schrieb diese Briefe von 1939 bis 1945 an seine Mutter aus dem Gefängnis Hamburg Fuhlsbüttel, Dachau, Friedrichshafen, Saulgau und Überlingen (die letzten Außenlager des KZ Dachau).
Hier finden Sie die Broschüre
Das sog. "Gösselhaus" am Buntentorsteinweg hat eine wechselvolle geschichte: Es gehörte zunächst der KPD, wurde dann enteignet, nach dem Krieg an die KPD zurück gegeben, dann wieder bei Verbot der KPD erneut beschlagnahmt.
und die Ostertorwache, in dem die Gefangenen schwer misshandelt wurden. Heute ist darin das Design-Museum - allerding ist dort eine Gedenkstätte eingerichtet worden. Neu: Auf Basis dieser Broschüre wurde nun von Christoph Gollasch eine Biografie Willi Müllers erarbeitet, die die Akten in Bremen und Berlin mit einbezieht. Erschienen ist diese Biografie in dem Band "Gewerkschafter in den Konzentrationslagern Oranienberg und Sachsenhausen", Biografisches Handbuch Bd 4, Hrsg. Siegfried Mielke und Stefan Heinz Berlin 2013. Gleichzeitig wurden meine Aufzeichnung jetzt auch in die neue Gedenkstätte des Widerstands aufgenommen.